Das sozialpsychologische Fest

Fest 2010 - Zuschauer Wir waren auch dieses Jahr auf dem Fest zum Klassikfrühstück. Nach der Erfahrung mit dem letzten Jahr sind wir extra früh losgezogen um uns einen guten Sitzplatz vor der Bühne zu sichern. Nachdem das Wetter Freitag und Samstag nicht sehr “Fest”-lich war, sah es Sonntag morgen schon viel besser aus: kein Regen und sogar die Sonne machte Anstalten mal rauszukommen.Rolland hatte schon durchgegeben, dass er einen guten Platz bekommen hatte.

Wir liessen uns nieder und begannen schon einmal unser mitgebrachtes Frühstück zu vernichten, während auf der Bühne noch alles leer war. Gespannt warteten wir auf die Musik und auf das Harfensolo 🙂

Doch dann begann der “Spass”. Zur Sicherheit der Zuschauer bei den etwas besser besuchten Konzerten Abends waren (im Bild sichtbar) so Metallsperren aufgestellt. Mehrere Reihen davon zogen sich komplett über den Platz vor der Bühne. Dort stellten sich Leute hin. Zunächst standen nur kurz welche da. Dann etwas länger. Stehende Leute inmitten von lauter Sitzenden blockieren schon ganz gut die Sicht zur Bühne. Das nervte natürlich, wir wollten doch nicht nur hören sondern auch sehen. Ich überlegte schon hinzugehen … der würde schon irgendwann gehen mit seinem Sohn, so lange kann man kein Kind hochhalten.

Wie es so ist: der Mensch tut das, was sozial akzeptiert ist und wenn da schon einer steht, dann stellt sich auch schnell ein zweiter dazu. Und dann ging tatsächlich auch einer unserer Frühstücksnachbarn hin und bat ihn sich doch irgendwo hinzusetzen. Die Diskussion wärte nur kurz und – welch Überraschung – hatte nur zum Ergebnis, dass der nette Herr und seine Frau zwei Schritte nach rechts machten und nun uns die Sicht auf die Bühne komplett nahmen.

Wider besseres Wissen, versuchte ich es auch nochmal und immerhin verschwand kurz darauf – trotz allgemeiner Uneinsichtigkeit, da sei ja nirgends Platz zum setzen – der junge Vater mit seinem Sohn. Das ältere Paar jedoch machte keine Anstalten sich davonzumachen. Deeskalierende Überzeugungstechniken hatten während dem Konzert leider nicht wirklich ihren Platz.

Zuguterletzt ging Rolland hin und bot den beiden an sich doch bei uns auf der Decke niederzulassen, da war die Sicht ja gut und wir hatten sogar bequeme Isomatten drunter und zu Essen und trinken hatten wir auch was über. “Ich lass mich doch hier nicht anscheissen” war die aufgebrachte Antwort.

Ich übte mich danach in Entspannung, da ja klar war, dass sie jetzt erst recht die ganze Zeit da bleiben würden.

Und wie die Geschichte sich fortsetzte? Wo einmal wer steht, steht bald ein zweiter und je mehr da stehen desto mehr stellen sich dazu und am Ende war die ganze Reihe voll und es versuchte auch niemand mehr die Leute zum weggehen zu bewegen.

Wir haben mehrere wichtige Lektionen gelernt, die wichtigste:  wir gehen wohl besser nicht hoch und sagen dem Nachbarn, dass er seine Kästen mal reinhängen soll statt immer unsere Terrasse und Markise mitzugiessen bevor wir nicht eine Lösung für die im schlimmsten Fall folgende nachbarschaftsstreitliche Eskalation haben.

PS: die Musik war toll – inklusive der zuerst gespielten Zugabe – und das Harfensolo konnten wir immerhin über die grosse Leinwand verfolgen