Konjugiert mit mir

“Ich konsumiere, du konsumierst, er/sie/es konsumiert, wir konsumieren ….!” Ich habe die Nase gestrichen voll. Mir reichts. Nicht nur heute nein auch sonst oft genug nur sonst schreibe ich nichts dazu aber heute weiss ich gerade nicht was sonst machen soll, waehrend Moderatoren ihre Unschuld bezeugen, atomare Unfaelle gleich oder doch nicht anstehen, pruede Amis sich ueber nackte Tatsachen aufregen und die Parteien mal wieder ihren Bauchnabel zur Schau stellen. Ich finde einfach, dass ich, du, er/sie/es, wir zu viel Ballast mit uns rumschleppen. Eine sehr bezeichnende Frage bei meinem Auswahlgespraech fuer mein Austauschjahr war “Was von deinen Sachen wuerdest du aus einem Feuer retten?” War fuer mich recht einfach zu beantworten spaeter. Meine Tagebuecher. Der Rest ist ja nicht ich. Der Rest kann mir eigentlich gestohlen bleiben. Wozu brauchen wir denn den Rest? Nicht zum Leben oder? In unserer Wohnung kann ich kaum atmen vor lauter ‘Nicht-Leben’.

Wir haben zu zweit eine vier Zimmer Wohnung, und die ist seit unserem Einzug mit Zeug vollgestopft. Ich weiss ehrlich nicht wohin damit und was ich mit dem meisten davon ueberhaupt anfangen will. Ich habe keine Bock mehr auf den ganzen Kruscht. In dem Chaos habe ich naemlich die Rechnung fuer mein seit dem Urlaub kaputtes Handy – “Wie Sie haben die Rechnung nicht dabei? Das haben sie aber doch schon im September gekauft und wenn Sie die Rechnung nicht haben dann kostet die Reparatur (ein Softwareupdate!) aber Geld!” Und zwar klotzig da bin ich mir sicher. Ich bewahre alles auf. Mein Ablagesystem ist nicht besonders sinnvoll. Die Papiere gammeln monatelang in verschiedenen Stapeln auf meinem Schreibtisch rum und oft mach ich nicht mal die Umschlaege von der Post auf. Heute habe ich meine Handyrechnung vom November letzten Jahres gefunden. Irgendwann brauch ich den Platz dann wird der Stapel Papier entweder woanders hingepackt oder wenn ich gerade zufaellig “den Nerv” dazu habe wird das Zeug in meinen Ordner einsortiert der auch schon ueberquillt.

Ich komm mit der Flut von Zeug einfach nicht klar. Gutscheine, Rehcnungen, Mitteilungen, News, Werbung, Spam, Erinnerungen, immerhin seit die Telekom abbucht keine Mahnungen mehr. Das tut aber nur, weil ich die Telekom Rechnung alleine bezahle.

Und trotzdem obwohl ich dringen Buecher, Klamotten und sonstiges aussortieren muesste und die Kueche auch schon wieder mit angebrochenen Packungen voll ist, kaufe ich immer wieder neues Zeug: Kochbuecher, Computerspiele, Rollenspiele, Schuhe, Klamotten, Pflanzen und dann irgendwann kriege ich wieder keinen Fuss mehr auf den Boden und dann wandert irgendeine Rechnung in den Muell.

Dabei brauche ich das alles nicht. Ich kaeme auch super ohne alle die Buecher klar – wozu gibts Bibliotheken. Ich koennte sicher auch mit der Haelfte oder einem Viertel meiner Klamotten und Schuhe gut auskommen. Wozu brauche ich 2 Computer. Die meisten Computerspiele habe ich nicht durchgespielt. Einige der Buecher habe ich nicht mal angefangen zu lesen. Aber sie stehen da rum und verbrauchen Platz. Dann sind da Sachen die ich schon lange wegwerfen wollte und sollte und ich bringe es nicht fertig.

Meine Eltern laden auch gerne mal Zeug bei mir ab. Ich hatte darum gebeten einige Tischdecken aus der Wohnung meiner Grosseltern zu bekommen. Ich dachte so an zwei oder drei. Jetzt habe ich einen Stapel mit verschiedentlichen Decken, Deckchen und aehnlichem, von dem ich vielleicht zwei oder drei wirklich benutze und der Rest: liegt rum. Umso schlimmer weil ich es nicht fertig bringen Andenken wegzugeben. Ich fuehle mich heute noch schlecht weil mir der Kaktus und die Porzellanblume, die meine Oma mir mal vor vielen Jahren mitgebracht hatte, in der neuen Wohnung verreckt sind.

Ich bin nicht mal ein echter Messy. So schlimm ist es noch nicht. Aber nach Ostern – wenn ich Urlaub habe – steht ein sehr grosser Frühjahrsputz ins Haus. Ein sehr grosser. Wer noch Buecher (seltsame und nicht so), Klamotten (Grössen 42-44), Schuhe (Grösse 38/39) oder Kruscht braucht: kommt mich doch mal besuchen. Dann muss ich nur noch ein paar Moebel
loswerden und alles wird besser?

Ich weiss jetzt auch endlich zwei Sachen: wie ich die “100 Things about me” Seite erstelle und nach welchem Kriterium Sachen in den Muell wandern werden. Passt doch gut zusammen oder? Und 100 ist eine schoene runde Zahl. Im uebrigen bin ich mit dem ganzen Konsum mehr als ueberfordert – aber ausser dauerndem: “Kauf nicht so viel!” kann ich mich an keinen weiteren Erziehungsversuch erinnern, der darauf abzielte, nicht nur mein Zimmer sondern auch die Menge meiner Besitztümer in Ordnung zu halten. Dabei bin ich mir recht sicher, dass ich nicht die einzige mit diesem Problem bin.

8 Replies to “Konjugiert mit mir”

  1. Du bist tatsächlich nicht die einzige Person mit dem Problem. Auch die Erkenntnis, dass wir uns mit viel zu vielen unnützen Dingen umgeben, ist alt. Allerdings hat eben nicht jeder diese Erkenntnis.

    Glücklich sind letztendlich nur die, die nicht nachdenken. Vielleicht ist Intelligenz eine Last… Ein als sehr intelligent gegoltener Cousin von mir hat sich umgebracht (ich war damals noch sehr klein und kenne nur noch seinen Namen). Ich bin mir aber sicher, dass Dein Problem nicht ganz so drastische Maßnahmen erfordert.

    Auch in der Literatur wirst Du auf das “Wohlstands”-Problem / Mal-d’être stoßen. In Graham Greenes “Raintime” taucht ein erfolgreicher Architekt unter und pflegt inkognito Leprakranke in Zentralafrika. Auch eine drastische Lösung, so zu fliehen. Ich habe selbst bereits an Flucht weit weg gedacht.

    Wir haben von Kindheit auf nur die Spaßgesellschaft und das Konsumieren kennengelernt, während unsere Eltern noch eine gesellschaft aufzubauen und Veränderungen zu erkämpfen hatten. Wir sind ziellos und desillusioniert.

    Mein Weg: nach persönlichem Gleichgewicht suchen. Klingt bescheuert und nach Buddhismus, ich meine es aber ernst. Und Buddhismus ist alles andere als bescheuert, obwohl ich als Atheist unmöglicht Buddhist werden könnt oder wollte.
    Ich meine das so: betrachte mal Tormentor. Der lebt nur in der Spaßgesellschaft, von heute auf morgen. Er denkt zwar nach, hat aber aufgrund limitierter Intelligenz (das sage ich über einen meiner besten Freunde, und in vollem Respekt) einen Weg der vereinfachenden und spaßigen Weltanschauung genommen.
    Das ist für unsereins natürlich nicht möglich weil zu extrem und mit Intelligenzobergrenze möglich.
    Worauf ich hinaus will: er hat einen Weg, der funktioniert, um glücklich zu sein. Finde ein Gleichgewicht zwischen Nachdenken und persönlichen Entscheidungen fällen einerseits und andererseits OHNE NACHDENKEN den Augenblick zu genießen.

    Das ist jetzt einerseits sehr lang geworden und andererseits zu kurz. Es ist jedenfalls ein wichtiges Thema.

  2. Etwas wirr vielleicht mein Text.

    Und Rechnungen, Versicherungskram, u.ä. kann man prima in streng thematisch beschriftete Leitz-Ordner einheften. Sollte ich auch mal tun 😉

  3. “Selig sind die armen im Geiste” steht irgendwo in der Bibel und wird immer wieder in solchen Diskussionen zitiert. Obwohl weniger intelligente Wesen sich vielleicht weniger Sorgen machen und oft von einem Tag auf den anderen leben, heisst das aber meiner Meinung nach nicht dass sie deswegen absolut gesehen gluecklicher sind als intelligente Lebewesen.

    Obwohl ich zugegebenermassen auch oefters das unbekuemmerte Leben meiner Hunde/Katzen bewundere, die ihr ‘dummes’ Leben in vollen Zuegen geniessen.
    Doch auch die koennen ungluecklich sein (zugegebenermassen extrem selten).

    Als irgendwie gebildeter Mensch erreicht man jedoch auch ganz neue Horizonte. Sowohl im Guten wie auch im Schlechten. Man merkt dass Politiker korrupt sind und nicht fuer das Wohl des Volkes arbeiten. Man merkt dass es diversen religioesen Organisationen nicht um das Seelenheil ihrer Mitglieder geht, sondern um Macht und Geld.
    Auf der positiven Seite hat man aber auch die Moeglichkeit fremde Kulturen kennenzulernen, Kunst zu geniessen, Buecher zu lesen, Freundschaften zu schliessen, kurz seinem Leben mehr Sinn zu geben. Das sollte es immer wert sein mit den negativen Aspekten des Lebens klarzukommen.

    A propos Atheismus und Buddhismus : soweit ich informiert bin gibt es im Buddhismus keinen Gott im christlichem Sinne. Es ist an sich eine atheistische Religion, die sich auf die Menschen bezieht. (Verbesser mich einer der es besser weiss) Nur falls ork doch irgendwie religioes werden will 😉

    So, geniesst einfach euer Leben, egal wie intelligent oder sonstwas ihr auch immer seid.

  4. Buddhismus: ist aber eine Religion, mit Wiedergeburt und so. Dafür ist in den Naturwissenschaften kein Platz.

    Aber ich bewundere asiatische Philosophien über die Rolle des Gleichgewichts im persönlichen Leben.

    Aber das mit den neuen Horizonten und anderen Kulturen ist ein guter Punkt, Lex. Das kommt aber nicht automatisch mit Bildung oder Intelligenz, man muss schon gezielt danach suchen, andere Blickwinkel und Lebensphilosophien betrachten, kennenlernen und verstehen wollen. Auch persönliche Kontakte zu Leuten aus völlig anderen Kulturen können erfrischende Sichtweisen bringen.

    Ich denke, das ist ein guter Lösungsansatz: fremde Sichtweisen -> neue Möglichkeiten -> inneres Gleichgewicht finden.
    😀

  5. Nachtrag: Erläuterungen zu meinem wirren Text oben (sorry, musste in die Mensa):

    Tormentor-Bsp: ich wollte deutlich machen, dass ich mich von seinem für mich inpraktikablen Weg habe inspirieren lassen, manche Dinge lockerer zu sehen. Ich habe mich seinem “Modell” etwas angenähert (aber nur etwas).

    Mein Gleichgewichts-Blabla: das Ergebnis jahrelanger Selbstreflexion. Ohne jetzt fanatisch irgendwelche asiatischen oder esoterischen Weltanschauungen zu vertreten.

  6. Hab ich’s nicht gesagt? Staubfänger, elektrische Dosenöffner und Schnellkochtöpfe. Willkommen im Club, bei mir im Keller stehen noch drei Kartons volle Zeug. Alles Dinge, die so sinnlos waren dass ich sie bei Wiedereinzug erst gar nicht mehr ausgepackt habe. Am schlimmsten sind Staubfänger-Geschenke. Deswegen sollte man halt auch schon beim Einkaufen daran denken, wie viel Zeit einen die neuen Sachen kosten werden.

    Aber was soll’s: Ausmisten und wegschmeissen ist das einzige, was hilft; ausser totaler Konsumverweigerung natürlich. Dinge die man zwei Jahre nicht gebraucht hat wird man auch in Zukunft nicht vermissen. Ebay ist Dein Freund. Der Sperrmüll auch.

    Ach ja: Intelligenz ist nicht das gleiche wie ständiges Nachdenken. Und beides hat nur sehr begrenzt etwas mit Zufriedenheit zu tun. Es ist zwar ein alter Spruch von Oma, aber: Wenn man sich sein Leben anschaut und das schlimmste Problem ist, das man zu viele Sachen hat – dann geht es einem ziemlich gut.

  7. Das Problem ist ja gerade, das “gut gehen” und “zufrieden sein” zwei verschiedene Dinge sind. Den allermeisten Menschen in Deutschland geht es doch gut, wer ist schon zufrieden? Nur die ganz Dummen und die ganz Weisen.

    So lange man nur darüber nachdenkt, dass man zu viele Sachen hat, kann man das noch leicht lösen.
    -> Daniels Beitrag.

    Ich habe z.B. meine ersten Semester sehr bescheiden gelebt und weiß, dass ich auch mit wenig Krempel glücklich sein kann. Also häufe ich Dinge an und erfreue mich dran, wohlwissend, dass der Verlust zu verkraften wäre.

    Zuviel Nachdenken kann aber noch viel weiter führen und sehr viel mehr Gründe für die Wohlstandskindkrankheit bringen. Darum mein wirrer Beitrag, hinter dem komplexe Gedankenvorgänge stehen.

    Also Sonja: ausmisten, ebay eine Freude machen, Dich selber über Dein angenehmes Leben freuen, nicht noch die Thematik gedanklich vertiefen. Falls doch, wirst Du eben noch sehr viel mehr nachdenken müssen, um Deine persönliche Lösung zu finden.

    Sei einfach zufrieden.
    🙂

  8. Pingback: Daily Delusions

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